Trauerfeier

Gerade komme ich von einer Trauerfeier. Ganz plötzlich ist eine Köchin, Cecilia Banda aus der Kabwe Main Boccs School, gestorben. Sie war in meinem Alter, eine fröhliche Frau, immer zu Späßen aufgelegt und hatte das Lunchprogramm an der Kabwe Main School seit 12 Jahren im Griff. Bekannt war, dass sie einen hohen Blutdruck hatte – ansonsten weiß keiner Genaueres. In Afrika sind die Trauerzeremonien außerordentlich wichtig. Es wird erwartet, dass man alles stehen und liegen lässt, seinen Alltag unterbricht, lange Reisen auf sich nimmt und Geld einsetzt, um den Verstorbenen zu ehren. Ein Nichterscheinen wird unbedingt bemerkt und als Beleidigung oder Provokation gegenüber der Community (Gemeinschaft, Sippe) aufgefasst.

Cecilia Banda

Die stehende Köchin ist Cecilia.

Die Zeremonien dauern 4 Tage, heute Abend war ich mit Sellina dabei. Ein Verwandter der Verstorbenen hat sein Haus zur Verfügung gestellt. Viele Frauen waren in einem leeren Raum versammelt, in dem 2 Matratzen lagen. Einige hatten Kissen dabei, weil sie dort übernachten werden. Vor der Tür wurden die Schuhe ausgezogen. Irgendwann fing eine Frau an zu singen, andere stimmten mit ein, dann ein Gebet – wieder Schweigen. Nach einer Weile begann die Schwester der Verstorbenen laut zu weinen, einige stimmten mit ein – dann wieder ein Lied! Zwischendurch Zeiten für flüsternde Gespräche, auch leises Lachen habe ich vernommen. So wird es die ganze Nacht hindurchgehen, einige schlafen, andere singen oder beten. Die Trauernden werden in dieser Zeit nicht alleine gelassen. Nachbarinnen und Freundinnen übernehmen die Bewirtung der Gäste. Draußen wurde auf Holzkohleöfen „Nshima“ (Maisbrei) gekocht. Aus diesem Grund haben wir als Geschenk eine Ladung Feuerholz, einen großen Sack Holzkohle und 2 Säcke Maismehl mitgebracht. Marcus, Musonda und Boniface haben uns begleitet. Die Männer trauern unter sich in einem aufgebauten Zelt vor dem Haus. Wenn eine Frau gehen wollte, hat sie sich auf Knien in demütiger Haltung von allen anderen verabschiedet. So auch wir, ich habe Sellina alles nachgemacht. Die anderen Frauen haben sich gefreut, dass Sellina mir, der Muzungufrau, die sambischen Traditionen nahebringt. Ich war tief bewegt von dieser Art Gemeinschaft und dem Zusammenhalt. Da Cecilia eine gläubige Christin war, hing nicht so viel Verzweiflung in der Luft, es gab sogar Dankeslieder – Hoffnungsschimmer drangen bis in dieses Trauerhaus hinein.

Ein kleiner Exkurs für die, die sich mehr mit den afrikanischen Traditionen auseinandersetzen wollen: In der Vorbereitung auf Sambia habe ich das Buch „Leben mit Aids“ von Hansjörg Dilger, 2005, Campus Verlag, gelesen. Er hat sich mit den Begräbnissen und Trauerritualen, besonders in Tansania, auseinandergesetzt. Zitat: „Unsere Gesellschaft liebt die Toten mehr als die Kranken.“
Ein großer Teil des Einkommens wird in die Bewirtung der Trauergäste gesteckt, viele gehen dadurch verarmt aus einem Begräbnis hervor. Arbeiter (Arbeitsausfall) müssen oft über mehrere Wochen ihre Angehörigen besuchen und dabei umfangreiche Beiträge leisten. Ärmere Familien scheuen die Kosten und Mühen, die in der Stadt Verstorbenen in ihrer ländlichen Heimat zu bestatten. Der Leichentransport überschreitet häufig, was ansonsten für die Behandlung von Kranken ausgegeben wird. So entwickelte sich die Praxis, Sterbende nach Hause zu schicken. Dort erwarten sie mangelhafte hygienische Bedingungen, unzureichende medizinische Versorgung und tragische Szenen in den Familien. In ihrem Übergang von einer sozialen Ordnung in die andere Welt (der Ahnen) können die Verstorbenen als Verursacher von Unglück und Gefahr für die Hinterbliebenen darstellen. Sollten sie nicht respektvoll behandelt werden, können die Ahnen Unglück und Krankheit über sie bringen. Eine zweite Phase der Rituale symbolisiert den Triumph der Gemeinschaft über den Tod. Soziale Rollen werden neu zugeordnet, da ja der Verstorbene fehlt.