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Kitchen Party

Als ich von einer jungen Frau aus meiner Gemeinde die Einladung zur Kitchen Party erhielt, habe ich mir eher eine kleine Versammlung von Frauen vorgestellt, die im häuslichen Rahmen die Braut auf die Ehe vorbereiten. So etwas wie bei uns der Jungfernabschied, nur mit einigen traditionellen Ermahnungen der älteren Frauen verknüpft. Ich war sehr überrascht, als ich schon von weitem viele parkende Autos und ein aufgebautes Eventzelt erblicken konnte. Laute Musik, festlich geschmückte Tische, Empfangsdamen…

Auf einer vorbereiteten Gästeliste wurde mein Name gefunden, ich musste unterschreiben und erhielt ein Getränk und Einlass. Es schien so, als ob alle der Braut näher bekannten Frauen eingeladen wurden, alle in traditionellen Chitengekleidern. Es gab eine Zeremonienmeisterin, die durch das Programm führte. Verschiedene Frauengruppierungen haben Geschenke und Tänze vorbereitet. Der Höhepunkt war das Erscheinen der Braut unter einem Chitengeschleier. Auf Knien legte sie einen langen Weg über einen roten Teppich zu einem aufgebauten geschmückten Bett zurück. Dann die Überraschung, der Bräutigam mit seiner Familie erschien und sie alle tanzten gemeinsam den roten Teppich entlang. Der Bräutigam rollte den Schleier der Braut auf, aber nur, wenn die Familienmitglieder immer wieder Geldscheine hineinwarfen. Es dauerte einige Zeit, bis wir alle endlich das Gesicht der Braut sehen konnten. Dem folgten dann verschiedene traditionelle Handlungen wie das Sichzufüßenlegen der Braut vor dem Bräutigam und der Schwiegermutter oder das Geschenkeüberreichen des Brautpaares an die Eltern. Gewöhnungsbedürftig waren für mich die ernsten Gesichter des Brautpaares. Kein Lächeln, eher erstarrte Minen, als wenn sie nun einen schweren Weg vor sich haben. Vielleicht darf man sich nicht freuen, wenn man als Braut seine Familie verlässt. Eine Eheschließung ist ja auch eine ernstzunehmende Angelegenheit ?. Dem folgte dann ein ausgiebiges Essen für alle Gäste mit überfüllten Tellern, von denen dann die Reste in Tüten und Behältern mit nach Hause genommen wurde. Der Bräutigam jedoch und die männlichen Familienmitglieder mussten das Fest verlassen. Es wurde weiterhin ausgiebig gefeiert. Und schwupp die wupp fand ich mich gemeinsam tanzend mit anderen Frauen aus der Gemeinde auf dem Weg zur Braut wieder. Lauthals wurde der einzigen Muzungufrau durchs Mikrofon applaudiert, die diesen Rhythmus wenigstens einigermaßen mithalten konnte. Für mich glich dies alles schon einer richtigen Hochzeitsfeier. Wie das dann wohl in einem Monat sein wird, wenn sich die Menge der Hochzeitsgäste durch die Männer verdoppelt? In jedem Fall ist eine Hochzeit hier eine kostspielige Angelegenheit und hat sehr viel mit Ansehen und verpflichtenden Traditionen zu tun.