post

Buchstabe für Buchstabe

Nach wie vor sieht es aus unserer Sicht, was die Lesefähigkeit in den sambischen Grundschulen angeht, katastrophal aus. Jeder scheint es normal zu finden, dass nur ungefähr die Hälfte der Schüler, die nach der 7. Klasse die Schule verlassen, wirklich lesen können. Durch das Lernen in der Großgruppe, in der oft im Chor gemeinsam die Lösung nachgesprochen wird, wird der Einzelne wenig herausgefordert, sich persönlich zu bemühen. So freue ich mich sehr darüber, dass sich in diesem Jahr sechs deutsche Volunteers im schulischen Bereich mit einbringen wollen. Ein Lesekonzept hatten wir schon vor 3 Jahren im School Support Team entwickelt. Einiges davon wird auch bis heute an den Schulen umgesetzt. Eine Auffrischung und Weiterentwicklung ist dennoch nötig. Mit so viel Manpower konnten wir also loslegen.

 

Zunächst einmal hieß es für die Volunteers wieder die Schulbank drücken, einfach zuschauen und sich hineinfinden, wie das hier so läuft, so manches ist befremdlich und muss erst verstanden werden. Aber so einfach geht das Hospitieren nicht. Wenn wir Muzungus auftauchen, werden wir schnell eingespannt. Ständig fehlen aus den unterschiedlichsten Gründen Lehrer und die Schüler sitzen einfach im Klassenraum herum und warten. So fand sich fast jeder von uns in der Situation wieder, direkt die Klasse unterrichten zu sollen. Ich bin stolz auf unsere Truppe, die das immer wieder gut meistert, denn die meisten Kinder verstehen nur Bemba. Da ist Spontanität und Kreativität gefragt. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf unsere Schulen in Kaputula und Waya. Wir haben einen kleinen Lesediagnosetest entwickelt und alle Kinder in Einzelgesprächen eingestuft. Wir konnten staunen über Drittklässler, die einen englischen Text sicher erlesen und auch den Inhalt wiedergeben konnten, während manche 7. Klässler noch Schwierigkeiten haben, Buchstaben zu identifizieren. Alles ist kunterbunt durcheinander und in jeder Klasse finden sich alle Lesestufen wieder. Ziel ist natürlich, den Lehrern die Leselernmethoden nahezubringen. Somit lagen wieder einmal Workshops an, um zu einem einheitliches Leselernsystem in den Schulen zu finden. Nun unterstützen wir die Lehrer, indem wir den Schülern in Kleingruppen passenden Lesestoff für das entsprechende Niveau nahebringen. Meistens heißt es jedoch, back to the roots! Es hilft alles nichts, wenn man die Buchstaben nicht kennt. So mühen sich dann auch 6. Klässler beim Zusammenschleifen von Silben, die gar nicht verstehen können, warum wir wirklich von jedem Einzelnen erwarten, dass er sich beteiligt und dasselbe versucht, was doch der Nachbar schon gesagt hat. Panono, panono heißt das hier – Schritt für Schritt machen wir uns langsam auf den Weg!