When Helping Hurts

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Erinnert ihr euch noch? Letztes Jahr Ostern habe ich angefangen dieses Buch zu lesen, ich habe es in meinem Blogartikel „Flamboyant“ erwähnt. Zwei Monate lang habe ich intensiv gelesen, mit unseren sambischen Mitarbeitern darüber gebrütet und auch in Teamtreffen des letzten Einsatzteams diskutiert. Für mich war das Buch ein Augenöffner. Das ging ganz schön an die Substanz. Die World Bank hat 60 000 arme Menschen aus 60 Ländern befragt, wie sie selber Armut definieren, bekannt geworden unter „voices of the poor“. Ihre Antworten zeigen die Vielschichtigkeit:

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 „Wenn ich kein Essen habe, leihe ich mir etwas von meinen Nachbarn oder Freunden. Ich schäme mich vor meinen Kindern, wenn ich nicht dazu beitragen kann, meine Familie zu ernähren. Mir geht’s nicht gut, ich bin arbeitslos. Es ist schrecklich.“

„Wir können es uns nicht leisten, jemanden einzuladen. Wir fühlen uns unwohl, andere zu besuchen ohne ein Geschenk mitbringen zu können. Der Mangel an Kontakten bedrückt, schafft ein andauerndes Gefühl von Elend und geringer Selbstachtung.“

„Wir haben vor allem Angst. Wir sind von jedem abhängig. Niemand braucht uns. Wir sind wie Müll, den jeder loswerden will.“  

„Arme fühlen sich machtlos und unfähig, verlassen!“

„Wenn du Hunger hast, wirst du immer Hunger haben. Wenn du arm bist, wirst du immer arm sein.“

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Wie tief sitzt doch das Denken, dass wir, die wir „reicher“ sind, reicher an Besitz und Wissen, die Bestimmer und Machthaber sind, gegen die wenig auszurichten ist. Man muss sich arrangieren. Das Erbe unserer Geschichte. Und noch immer gibt es so viel Besserwisserei von unserer Seite, auch in mir entdecke ich das immer wieder.  Wenn es um das Thema „Bedürftigen helfen“ geht, beleuchten wir „gute Hilfe“ oft aus der Sicht eines Verwalters von Ressourcen und es soll ja nachhaltig sein. Im Grunde denken wir, dass wir niemandem etwas geben wollen, der die Gabe dann doch nur verschwendet oder verderben lässt. Wir können schlecht damit umgehen, dass das Empfangene in unseren Augen unzweckmäßig eingesetzt wird, wollen bestimmen, was damit geschieht. Wird es schwierig, geben wir lieber nichts. Besonders wir Deutsche haben oft so viele Bedenken, dabei können wir die Lebenszusammenhänge der „Armen“ und die Wurzeln hierfür nur schwer durchdringen, zu mindestens selten von unserer gemütlichen Couch aus oder durch Stammtischgespräche.

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Dass meine Hilfe umgekehrt auch mich verletzen kann, ist mir vorher noch nie in den Sinn gekommen. Natürlich werde ich Muzungufrau automatisch auch mit „die hat Geld“ in Verbindung gebracht. So sucht man gerne Kontakt zu mir. Und wieder und wieder stelle ich mir die Frage: „Bin ich gemeint oder mein Geld?“ Ist es möglich, unabhängig von Besitz, freundschaftliche Beziehungen aufzubauen?

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Ich schätze, das wird ein langer Weg werden, auf dem sich hier und da ein weiteres Fenster öffnen wird.  Es bleibt dabei, ich bin verantwortlich dafür, mit dem, was ich habe (weil ich „zufällig“ in einem komfortablen Land geboren bin), sinnvoll umzugehen. Da, wo ich Beziehungen zu bedürftigen Menschen habe, kann ich gar nicht anders, als von meinem Überfluss (Wissen, Besitz, Zeit …) zu geben. Dabei bin ich immer wieder herausgefordert, weise zu handeln, weil ich nicht verletzen will. Und es klingt in meinem Ohr, dass es zutiefst beschämt, wenn man selber nicht dafür sorgen kann, die grundlegendsten Bedürfnisse seiner Familie zu erfüllen. Geld und Geschenke anzunehmen, ist auch nicht so leicht. Des Öfteren habe ich die Verlegenheit der Empfangenden wahrgenommen und dies wiederrum beschämt mich.

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