post

Lusaka Rangers

Am letzten Wochenende habe ich es endlich geschafft, mich mit den Commanders in Lusaka zu treffen. Erwartungsvoll nahm ich an einem Stammtreff in einem Lusaka Compound teil. Die Lusaka Rangers haben sich stark entwickelt. Inzwischen gibt es 10 Outposts, die alle von Pentecostal Holiness Churches getragen werden. Ich war sehr überrascht über diese Entwicklung. Von Deutschland aus konnte ich nichts Weiteres herausfinden. An diesem Wochenende gab es auch ein kleines Distrikttreffen der Stämme. Herzlich wurde ich willkommen geheißen und musste wie üblich vorne einen Ehrenplatz einnehmen. Somit konnte ich nur gegen das Licht fotografieren. Dementsprechend dürftig sind nun die bildlichen Eindrücke.

Die Afrikaner lieben Disziplin, salutieren und marschieren und halten sich eng an das amerikanische System der Royal Rangers. Somit gibt es hier auch nur Jungenteams. Für uns etwas befremdlich. Aber wir in Kabwe haben die Freiheit, unseren Stammposten auch anders zu prägen. Sambia ist bekannt für seine Vielfalt. Die Jungs waren sehr gespannt von mir zu hören, wie in Sambia die Rangersarbeit vor 2 ½ Jahren angefangen hat, ich hab mich gleich zu Hause gefühlt. Am folgenden Tag haben wir uns ganz viel Zeit genommen, über die Weiterentwicklung der RR in Zambia nachzudenken. Wir planen nun monatliche Treffen, um am RR-Curriculum (Logbuch, Abzeichen… ) zu arbeiten. Im nächsten Jahr streben wir weitere Ausbildungen der Commanders an und planen ein erstes Zambiacamp mit allen Stammposten. Mal sehen, was sich davon wie umsetzen lässt. Ich habe mich gefreut, Beziehungen zu den Lusaka Commanders bauen zu können und spüre ihre Leidenschaft, die RR voranzubringen. Das vermisse ich in Kabwe noch.

post

Kitchen Party

Als ich von einer jungen Frau aus meiner Gemeinde die Einladung zur Kitchen Party erhielt, habe ich mir eher eine kleine Versammlung von Frauen vorgestellt, die im häuslichen Rahmen die Braut auf die Ehe vorbereiten. So etwas wie bei uns der Jungfernabschied, nur mit einigen traditionellen Ermahnungen der älteren Frauen verknüpft. Ich war sehr überrascht, als ich schon von weitem viele parkende Autos und ein aufgebautes Eventzelt erblicken konnte. Laute Musik, festlich geschmückte Tische, Empfangsdamen…

Auf einer vorbereiteten Gästeliste wurde mein Name gefunden, ich musste unterschreiben und erhielt ein Getränk und Einlass. Es schien so, als ob alle der Braut näher bekannten Frauen eingeladen wurden, alle in traditionellen Chitengekleidern. Es gab eine Zeremonienmeisterin, die durch das Programm führte. Verschiedene Frauengruppierungen haben Geschenke und Tänze vorbereitet. Der Höhepunkt war das Erscheinen der Braut unter einem Chitengeschleier. Auf Knien legte sie einen langen Weg über einen roten Teppich zu einem aufgebauten geschmückten Bett zurück. Dann die Überraschung, der Bräutigam mit seiner Familie erschien und sie alle tanzten gemeinsam den roten Teppich entlang. Der Bräutigam rollte den Schleier der Braut auf, aber nur, wenn die Familienmitglieder immer wieder Geldscheine hineinwarfen. Es dauerte einige Zeit, bis wir alle endlich das Gesicht der Braut sehen konnten. Dem folgten dann verschiedene traditionelle Handlungen wie das Sichzufüßenlegen der Braut vor dem Bräutigam und der Schwiegermutter oder das Geschenkeüberreichen des Brautpaares an die Eltern. Gewöhnungsbedürftig waren für mich die ernsten Gesichter des Brautpaares. Kein Lächeln, eher erstarrte Minen, als wenn sie nun einen schweren Weg vor sich haben. Vielleicht darf man sich nicht freuen, wenn man als Braut seine Familie verlässt. Eine Eheschließung ist ja auch eine ernstzunehmende Angelegenheit ?. Dem folgte dann ein ausgiebiges Essen für alle Gäste mit überfüllten Tellern, von denen dann die Reste in Tüten und Behältern mit nach Hause genommen wurde. Der Bräutigam jedoch und die männlichen Familienmitglieder mussten das Fest verlassen. Es wurde weiterhin ausgiebig gefeiert. Und schwupp die wupp fand ich mich gemeinsam tanzend mit anderen Frauen aus der Gemeinde auf dem Weg zur Braut wieder. Lauthals wurde der einzigen Muzungufrau durchs Mikrofon applaudiert, die diesen Rhythmus wenigstens einigermaßen mithalten konnte. Für mich glich dies alles schon einer richtigen Hochzeitsfeier. Wie das dann wohl in einem Monat sein wird, wenn sich die Menge der Hochzeitsgäste durch die Männer verdoppelt? In jedem Fall ist eine Hochzeit hier eine kostspielige Angelegenheit und hat sehr viel mit Ansehen und verpflichtenden Traditionen zu tun.

post

Cross Culture Workshop

Mit unserem inzwischen 25-köpfigem Mitarbeiterteam Vorort haben wir uns einen ganzen Tag Zeit genommen, auf unsere verschiedenen Kulturen zu blicken, die unser Verhalten, unsere Ansichten und natürlich das ganz alltägliche Miteinander prägen. Jeder von uns kommt hier immer wieder an den Punkt sich zu fragen: „Warum macht er das bloß so? Ich komme da nicht hinter. Das ist sooo unverständlich.“ Während wir Deutschen dann eher dazu neigen, die Situationen durch Gespräche zu klären, ziehen sich die Sambier zurück.

So gab es an diesem Tag interaktive Übungen, Austausch in Kleingruppen und Input zum Thema „Eisberg“. Sich den unsichtbaren Teil (Werte, Prägungen, kulturelle Verhaltensweisen …) bewusst zu machen, darum ging es. Nicht immer sind es nur die kulturellen Prägungen, auch unsere individuellen Charaktere und Kommunikationsstile verstärken so manches. Da gab es einige Augenöffner. Und uns geht es natürlich auch darum, das Gute aus jeder Kultur zu adaptieren und gemeinsam in eine christlich geprägte Kultur hinein zu wachsen. Spannend wurde die Austauschrunde, in der wir uns einander wichtige Fragen stellen konnten. Wir Deutsche wurden gefragt, warum wir nicht bereit seien zu teilen und in so schludriger Kleidung herumlaufen. Uns interessierte hingegen sehr zu hören, warum die Sambier wenig klare Antworten geben und meistens mit „maybe – vielleicht“ antworten oder drum herumreden. Und wir wollten wissen, wie es ihnen damit geht, wenn sie das akzeptieren müssen, was ihnen von Älteren gesagt wird, auch wenn sie persönlich anderer Meinung sind. Abgerundet wurde dies durch einen kleinen Sketch mit Musonda und Sabine, die eine typische Situation nachgestellt haben. Da gab es einiges zu lachen. Zum Schluss mündete unser Austausch im Cross Culture Lunch. Jeder hat etwas Besonderes aus seiner Kultur vorbereitet. Da gab es viel Neues zu probieren und sehr eigenartige Menüzusammenstellungen auf den Tellern zu sehen.

post

Buchstabe für Buchstabe

Nach wie vor sieht es aus unserer Sicht, was die Lesefähigkeit in den sambischen Grundschulen angeht, katastrophal aus. Jeder scheint es normal zu finden, dass nur ungefähr die Hälfte der Schüler, die nach der 7. Klasse die Schule verlassen, wirklich lesen können. Durch das Lernen in der Großgruppe, in der oft im Chor gemeinsam die Lösung nachgesprochen wird, wird der Einzelne wenig herausgefordert, sich persönlich zu bemühen. So freue ich mich sehr darüber, dass sich in diesem Jahr sechs deutsche Volunteers im schulischen Bereich mit einbringen wollen. Ein Lesekonzept hatten wir schon vor 3 Jahren im School Support Team entwickelt. Einiges davon wird auch bis heute an den Schulen umgesetzt. Eine Auffrischung und Weiterentwicklung ist dennoch nötig. Mit so viel Manpower konnten wir also loslegen.

 

Zunächst einmal hieß es für die Volunteers wieder die Schulbank drücken, einfach zuschauen und sich hineinfinden, wie das hier so läuft, so manches ist befremdlich und muss erst verstanden werden. Aber so einfach geht das Hospitieren nicht. Wenn wir Muzungus auftauchen, werden wir schnell eingespannt. Ständig fehlen aus den unterschiedlichsten Gründen Lehrer und die Schüler sitzen einfach im Klassenraum herum und warten. So fand sich fast jeder von uns in der Situation wieder, direkt die Klasse unterrichten zu sollen. Ich bin stolz auf unsere Truppe, die das immer wieder gut meistert, denn die meisten Kinder verstehen nur Bemba. Da ist Spontanität und Kreativität gefragt. In diesem Jahr konzentrieren wir uns auf unsere Schulen in Kaputula und Waya. Wir haben einen kleinen Lesediagnosetest entwickelt und alle Kinder in Einzelgesprächen eingestuft. Wir konnten staunen über Drittklässler, die einen englischen Text sicher erlesen und auch den Inhalt wiedergeben konnten, während manche 7. Klässler noch Schwierigkeiten haben, Buchstaben zu identifizieren. Alles ist kunterbunt durcheinander und in jeder Klasse finden sich alle Lesestufen wieder. Ziel ist natürlich, den Lehrern die Leselernmethoden nahezubringen. Somit lagen wieder einmal Workshops an, um zu einem einheitliches Leselernsystem in den Schulen zu finden. Nun unterstützen wir die Lehrer, indem wir den Schülern in Kleingruppen passenden Lesestoff für das entsprechende Niveau nahebringen. Meistens heißt es jedoch, back to the roots! Es hilft alles nichts, wenn man die Buchstaben nicht kennt. So mühen sich dann auch 6. Klässler beim Zusammenschleifen von Silben, die gar nicht verstehen können, warum wir wirklich von jedem Einzelnen erwarten, dass er sich beteiligt und dasselbe versucht, was doch der Nachbar schon gesagt hat. Panono, panono heißt das hier – Schritt für Schritt machen wir uns langsam auf den Weg!