I have opened my bedroom

M 4In verschiedenen Blogartikeln habe ich am Rande die Besonderheit des “bedrooms” erwähnt. Als die Schulleiterin in Katondo diese Aussage im Zusammenhang der Aufräumaktion ihres Büros aussprach, fasste ich es als witzigen Vergleich auf. Bei unserem ersten Besuch in Sellinas neuem Haus haben Becky und ich neugierig in jede Ecke geschaut und uns ganz unbefangen auf ihr Bett geschmissen.

IMG_5670Seit Februar hatte ich die Gelegenheit, mich regelmäßig mit unseren sambischen Mitarbeitern zu einem „interkulturellen Austausch“ zu treffen, wo wir viele sambische und deutsche Gepflogenheiten besprechen konnten. So erfuhr ich, dass das Schlafzimmer absolutes Tabu ist. In was für ein Fettnäpfchen waren wir denn da gefallen? Sellina hat das Schlafzimmer ihrer Schwester vor vielen Jahren nur vor Bezug des Hauses gesehen, danach nie wieder. In diese intime Privatsphäre soll niemand Einblick erhalten. Bei Besuchen in sambischen Familien erlebte ich später, dass das Schlafzimmer abgeschlossen war, Schätze wie „Zucker, ein Buch oder ein Fahrrad“ wurden dort vor den Kindern und den Besuchern gesichert. Alles, was nicht allen zugänglich sein soll, wird im Schlafzimmer versteckt.

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Dieser Rückzugsort wird von allen respektiert, auch im Zusammenleben in der Community in Sambia, wo man das, was man besitzt, mit seinem Familien- und Freundeskreis zu teilen hat. Als ich bei einem Frauentreffen im Haus unseres Gemeindepastors war, stand die Tür zum Schlafzimmer demonstrativ offen. Auch die anderen Frauen waren erstaunt und schauten immer mal wieder um die Ecke ins Zimmer hinein. Eine praktische Umsetzung der letzten Predigt: „Öffnet eure Häuser, ladet euch gegenseitig ein, trefft euch auch in der Woche …!“ Das hatte ich auch schon mitbekommen, dass man sich hier nicht bewusst einlädt. Und wenn mal Gäste vorbeikommen, lässt man sie selten ins Haus. Man rollt eine Matte vor dem Haus aus auf der die Besucher dann Platz nehmen.

Katondo 21 070So wusste ich es sehr zu schätzen, als Sellina, Boniface, Musonda und auch Benson mir bei meinen Besuchen bewusst ihre Schlafzimmer öffneten und mich einluden, mich umzuschauen. “ I have opened my bedroom for you!“

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