Die um die Nähmaschine tanzen

Emp 3Erinnert ihr euch noch an die Abstellkammer aus der Schule? Inzwischen wurden Fenster eingebaut und die Wände haben einen neuen Anstrich erhalten. Nun treffen sich hier regelmäßig ca. 15 Frauen, die häkeln und nähen oder aber das Nähen erlernen wollen. Ich staune immer wieder wie schnell doch manches gehen kann, wo wir uns an anderen Punkten mühen und afrikanisch schleppend vorankommen. Was den Sambiern wichtig ist, das packen sie an, wenn sich eine Möglichkeit bietet.

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Was war die Freude groß, als Sellina nach ihrer Deutschlandreise wieder dabei war. Neugierig wurden die Fotos hin und her gereicht und viele Fragen mussten beantwortet werden. Das Leben in Deutschland kann sich hier kaum jemand vorstellen. Die Nachricht, dass all ihre hergestellten Sachen verkauft wurden, löste Jubel aus und führte zu einem Freudentanz um die Nähmaschine. Ich liebe diese spontane Ausdrucksweise, die auch das Gemeinschaftsgefühl stärkt.

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„Wir gehören zusammen wie eine richtige Familie“, so Sellina, „wollen wir nicht eine Kasse eröffnen, in die jeder regelmäßig Geld hineingibt, damit wir in Notsituationen z. B. mal einen Krankenbesuch machen oder einander helfen können?“ Da wurde hin und her diskutiert und abgestimmt.

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Am Ende wurde Mrs. Lungu, die Chefin der 12 Familien aus unserem Pilotprojekt, als Kassiererin eingesetzt. Die ersten Kwachas wanderten in die Kasse. Wenn es auch nur kleine Summen sind, so kann doch mal Obst eingekauft und als Geschenk bei einem Besuch mitgebracht werden.

Emp 5Allen ist klar, dass sie nicht darauf warten können, bis jemand ihre Produkte nach Deutschland ausfliegen kann. In den letzten Wochen haben wir mehrfach diskutiert, wie eine Verkaufsmöglichkeit hier in Kabwe gefunden werden kann. An diesem Punkt ist Sambia unkompliziert. Jeder kann am Wegesrand seine Sachen zum Verkauf anbieten. Die Frauen haben sich auf eine strategische Ecke am Tuskers Hotel geeinigt. Das liegt direkt am Supermarkt „Shoprite“, da kommen viele Muzungus und auch wohlhabendere Sambier vorbei. Leider werde ich diese Premiere nicht mehr miterleben können, hoffe aber im Oktober mit ihnen zusammen auf der Straße sitzen zu dürfen. Spannend bleibt, zu welchen Preisen sie hier in Sambier verkaufen werden können.

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Und auch Gift hat sich riesig gefreut, dass so viel Geld für die Bambusbehälter zusammen gekommen ist – sein erstes selbsterarbeitetes Geld! Ich habe ihm natürlich erklärt, dass viele Käufer extra gut bezahlt haben, weil sie ihn unterstützen möchten. Schon lange war abgesprochen, dass ich ihm einen Sicherheitsschuh bezahle, wenn er das Geld für den anderen erarbeitet hat. Nun der erste stolze Schritt! Von dem Geld kann er sich jetzt auch Werkzeuge und Holz kaufen und selbstständig zu Hause arbeiten. Ich habe schon Hocker und kleine Tische von ihm in der Werkstatt gesehen, er ist geschickt. Erst seit Ende Februar ist er in der Tischlerei, er hat sich super entwickelt und der finanzielle Motivationsschub spornt ihn weiter an. Vielen Dank auch für euren Beitrag in dieser Sache!