Chairman Phiri

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Auf meinem Schulweg nach Katondo heute sprach mich ein älterer Mann in gut verständlichem Englisch an. An vielen Tagen hat er mich schon begrüßt, ich kannte ihn aber nicht näher. Er stellte sich als Gabriel Phiri und als Chairman hier im Compound vor. Ein Chairman wird offiziell eingesetzt und wohl auch von der Community gewählt. Er schaut ehrenamtlich nach dem Rechten in „seinem Gebiet“ und ist eine Art Sprachrohr für diese Lebensgemeinschaft. Schon im letzten Jahr habe ich diese Rangordnungen und festgelegten Strukturen im Compound kennengelernt. Diese Chiefs oder „Häupflinge“ sollten bei allen Vorhaben miteinbezogen werden. „Ich wünschte, du kämst in mein Haus und würdest mich besuchen“, so lud er mich ein mitzukommen,“ du musst doch wissen, wo die Kinder, die auf deine Schule gehen, herkommen und wie sie leben.“

Piri 1In seinem Haus lernte ich seine Frau Estella kennen. Sie haben nur drei Kinder, sehr ungewöhnlich für sambische Familien. Der Schnitt liegt eher bei 6 Kindern. Ich staune immer wieder, dass es auch im Compound möglich ist, sich nett einzurichten und auf ein gepflegtes Grundstück zu achten. Der Chairman hat auch Strom und einen Kühlschrank in seinem Haus. Es gibt sie doch, diese Vorbilder. Auch die Kinder hier sprangen nicht einfach auf und spielten in Ruhe weiter. Miriam war am Wäschewaschen und lud mich zu einem Pläuschchen ein. Diese Ecke, etwas abseits des Hauptweges, wirkte sehr harmonisch auf mich. Leider können die Kinder unserer Boccs Schule auch von so einem Zuhause nur träumen.

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Piri 3Nach einer netten Gesprächsrunde, in der mir Mr. Phiri erzählt hat, wie er mich schon länger beobachtet hat und auch vermutet hat, dass der Muzungumann, der vor einiger Zeit mit mir hier langgegangen ist, mein Ehemann sei, entschuldigte er sich bei mir, dass ich nun zu spät zur Schule kommen würde. Die höflich sambische Art, mich nun zum Aufbruch zu bewegen. Er schätze es sehr, dass ich meine Pläne geändert habe und in sein Haus gekommen sei. Händchenhaltend ging er mit mir zurück zum Hauptweg, damit ich mich nicht verlaufe. „Du bist mein, und besuch mich wieder!“, rief er mir hinterher. Einmal mehr konnte ich erleben, wie gut es ist, wenn man sich Zeit nimmt, die Menschen kennenzulernen. Ich bin inzwischen sehr dankbar, dass der Engpass rund um unsere Autos mich dazu gebracht hat, sambische Transportwege zu nutzen und zu Fuß durch den Compound zu gehen. Nie wäre ich den Menschen hier sonst so nahe gekommen. Noch ein kleiner Eindruck von einem anderen Wohnzimmer und einer Toilette im Compound. So kann`s auch gehen!

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