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RR Outpost Katondo

Jeden Dienstag ist Rangerszeit in Katondo. Es hat einige Zeit gebraucht, bis wir uns in Teams organisiert haben. Nun üben wieder alle Teamsongs ein und präsentieren ihren Teamruf beim Appell. Besonders die Lions tun dies mit Inbrunst. Schon von weitem hört man ihr Löwengebrüll. Das sorgt häufig für heitere Stimmung.

Noch immer tun wir dies ohne Kluft und nur vereinzelt sieht man ein Halstuch. Aber ein großer Stoffballen für die Kluften liegt schon im Büro, bald wird fleißig genäht werden. Die Älteren, die Strong Tigers und die Doves, besuchen zusätzlich einen Juniorleitertrainingskurs, den wir immer im Anschluss anbieten. Ich staune über ihre Verbindlichkeit, sie wollen unbedingt Commanders werden. Die meisten von ihnen haben vor 2 ½ Jahren den Start unseres Rangersstammes hier miterlebt. Nun üben sie fleißig Knoten und Bünde, legen Druckverbände an, lernen die Bedeutung der Zacken, bereiten Aktionen für ein Team vor und züchten Moringabäume. Seit wir unsere Treffen im Insaka starten, erleben wir mehr Nähe zueinander. Hier halten wir unsere Andachten und singen und tanzen zu Trommelrhythmen, da geht einem das Herz auf. Und es gibt immer wieder Höhepunkte. Neulich hatten wir Besuch von Lüneburger Rangern. Gerald hat ein großes Seil mitgebracht und im Spiel einiges verdeutlicht. Wir hatten eine Menge Spaß dabei. So schauen wir, dass wir die Katondo Rangers voranbringen. Gemeinsam gehen wir Schritt für Schritt vorwärts – panono panono!  ?

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Nähstube Waya eröffnet

Endlich ist es soweit! Die Nähstube in Waya konnte gestartet werden. Sechs Frauen, alle Guardians (Erziehungsberechtigte) unserer Patenkinder, haben sich zum Nähkurs angemeldet. Montags bis mittwochs treffen sie sich nun, um das Nähen zu erlernen. Vorerst dürfen sie einen kleinen Raum der Schule nutzen. Dank einer großzügigen Spende kann jetzt die Renovierung des Daches eines großen Raums gestartet werden. Dann wird es genügend Platz für den Ausbau der Nähstube geben.

Jedes Treffen wird mit einer Andacht gestartet. Um lesen zu können, muss man ganz nah ans Fenster gehen. Strom gibt es hier an der Schule nicht. Es ist zwar recht eng, aber die ersten Handstiche klappten ganz gut. So wurden schon in den ersten Wochen Röcke genäht, per Hand. Nun aber geht’s an die Nähmaschinen. Mwape ist die Lehrerin, sie hat auch schon einen Kurs in Katondo durchgeführt. Musonda unterstützt seine Frau beim Instandsetzen der Nähmaschinen und Laura und Johanna, zwei unserer Volunteers, begleiten diesen Kurs. So hoffen wir demnächst auch in Waya, ähnlich wie in Katondo (siehe Foto), ein kleines Sortiment zum Erwerb anbieten zu können. Dem Ziel, bedürftige Frauen zu bevollmächtigen, sich selber Geld zu verdienen, ein Stückchen näher.

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Camillas Graduation

Graduations erlebt man öfter in Zambia. Ob es sich um den Schulabschluss handelt oder um den Abschluss eines Bibelschulkurses oder auch das Beenden eines Nähkurses …, in jedem Fall wird große Wertschätzung ausgedrückt und für einen feierlichen Rahmen gesorgt. Camilla kenne ich schon seit einigen Jahren aus meiner Gemeinde. Durch gegenseitige Besuche sind wir uns nähergekommen, wir haben in diesem Jahr auch gemeinsam ins neue Jahr hineingefeiert. Nun steht mit dem Beendigen der 12. Klasse ihr Schulabschluss kurz bevor.

Für mich war es das erste Mal, eine Graduation an der Schule zu erleben, zudem noch an einer der angesehensten Schule der Stadt, der Caritas Convent School, eine katholische Mädchenschule. Alle Mädchen der Schule waren versammelt und die Schulabgängerinnen besonders aufgeregt. Mit Spannung warteten sie auf die Namensverkündigung der Mädchen, die eine besondere Auszeichnung für die verschiedensten Bereiche erhielten. So wurden Schülersprecher hervorgehoben, Fairnesspreise verteilt und auch hervorragendes Benehmen gekürt. Camilla gehört mit zu den Besten und konnte es kaum glauben, dass sie gleich zweimal gekürt wurde. Da flossen dann doch einige Tränen. Die Gewinnerinnen wurden aufgefordert, gemeinsam mit ihren Eltern das Tanzbein zu schwingen. Als Zweitmama an diesem Tag war ich somit ganz schnell involviert. Es gab verschiedene Darbietungen von Eltern, Lehrern und anderen Schulklassen. In einem Theaterstück wurde auf amüsante und mutige Art und Weise die Rollenveränderung der jungen Frauen aufgegriffen. Besonders bewegt hat mich der Moment, als die beste Schülerin eine Zusage für ein Stipendium in England erhielt. Diese junge Frau mit ihrem Fairnesspreis schaut so zielstrebig nach vorne. Was wird dieser Schritt doch ihr Leben verändern, und wird sie jemals wieder zurück kommen nach Zambia und ihr Land voranbringen? Und all die anderen Mädels, die jetzt an die Hochschulen streben, wird mit ihnen eine neue Generation aufstehen, die Verantwortung auch für die übernehmen, die nicht diese Chancen haben?

APEX MEDICAL UNIVERSITY LUSAKA

Einen kleinen Einblick in eine medizinische Universität in Lusaka konnten Fred und ich erleben, als wir Benson, einen unserer Jonathanstudents, in eine Chemievorlesung begleitet haben.

Das ist schon eine Nummer, wenn man aus einem Compound in Kabwe kommt und nun die Schulbank mit reichen gestylten Kommilitonen drückt, die einen komplett anderen Lebensstil führen. Da fühlt man sich zunächst einmal ganz klein und ist herausgefordert, seinen eigenen Weg und ein gesundes Selbstbewusstsein zu finden. Auch hier sind wir gespannt, wie sich die Jonathans, jahrelang gefördert und geprägt durch Life Trust, entwickeln werden.

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Lusaka Rangers

Am letzten Wochenende habe ich es endlich geschafft, mich mit den Commanders in Lusaka zu treffen. Erwartungsvoll nahm ich an einem Stammtreff in einem Lusaka Compound teil. Die Lusaka Rangers haben sich stark entwickelt. Inzwischen gibt es 10 Outposts, die alle von Pentecostal Holiness Churches getragen werden. Ich war sehr überrascht über diese Entwicklung. Von Deutschland aus konnte ich nichts Weiteres herausfinden. An diesem Wochenende gab es auch ein kleines Distrikttreffen der Stämme. Herzlich wurde ich willkommen geheißen und musste wie üblich vorne einen Ehrenplatz einnehmen. Somit konnte ich nur gegen das Licht fotografieren. Dementsprechend dürftig sind nun die bildlichen Eindrücke.

Die Afrikaner lieben Disziplin, salutieren und marschieren und halten sich eng an das amerikanische System der Royal Rangers. Somit gibt es hier auch nur Jungenteams. Für uns etwas befremdlich. Aber wir in Kabwe haben die Freiheit, unseren Stammposten auch anders zu prägen. Sambia ist bekannt für seine Vielfalt. Die Jungs waren sehr gespannt von mir zu hören, wie in Sambia die Rangersarbeit vor 2 ½ Jahren angefangen hat, ich hab mich gleich zu Hause gefühlt. Am folgenden Tag haben wir uns ganz viel Zeit genommen, über die Weiterentwicklung der RR in Zambia nachzudenken. Wir planen nun monatliche Treffen, um am RR-Curriculum (Logbuch, Abzeichen… ) zu arbeiten. Im nächsten Jahr streben wir weitere Ausbildungen der Commanders an und planen ein erstes Zambiacamp mit allen Stammposten. Mal sehen, was sich davon wie umsetzen lässt. Ich habe mich gefreut, Beziehungen zu den Lusaka Commanders bauen zu können und spüre ihre Leidenschaft, die RR voranzubringen. Das vermisse ich in Kabwe noch.

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Kitchen Party

Als ich von einer jungen Frau aus meiner Gemeinde die Einladung zur Kitchen Party erhielt, habe ich mir eher eine kleine Versammlung von Frauen vorgestellt, die im häuslichen Rahmen die Braut auf die Ehe vorbereiten. So etwas wie bei uns der Jungfernabschied, nur mit einigen traditionellen Ermahnungen der älteren Frauen verknüpft. Ich war sehr überrascht, als ich schon von weitem viele parkende Autos und ein aufgebautes Eventzelt erblicken konnte. Laute Musik, festlich geschmückte Tische, Empfangsdamen…

Auf einer vorbereiteten Gästeliste wurde mein Name gefunden, ich musste unterschreiben und erhielt ein Getränk und Einlass. Es schien so, als ob alle der Braut näher bekannten Frauen eingeladen wurden, alle in traditionellen Chitengekleidern. Es gab eine Zeremonienmeisterin, die durch das Programm führte. Verschiedene Frauengruppierungen haben Geschenke und Tänze vorbereitet. Der Höhepunkt war das Erscheinen der Braut unter einem Chitengeschleier. Auf Knien legte sie einen langen Weg über einen roten Teppich zu einem aufgebauten geschmückten Bett zurück. Dann die Überraschung, der Bräutigam mit seiner Familie erschien und sie alle tanzten gemeinsam den roten Teppich entlang. Der Bräutigam rollte den Schleier der Braut auf, aber nur, wenn die Familienmitglieder immer wieder Geldscheine hineinwarfen. Es dauerte einige Zeit, bis wir alle endlich das Gesicht der Braut sehen konnten. Dem folgten dann verschiedene traditionelle Handlungen wie das Sichzufüßenlegen der Braut vor dem Bräutigam und der Schwiegermutter oder das Geschenkeüberreichen des Brautpaares an die Eltern. Gewöhnungsbedürftig waren für mich die ernsten Gesichter des Brautpaares. Kein Lächeln, eher erstarrte Minen, als wenn sie nun einen schweren Weg vor sich haben. Vielleicht darf man sich nicht freuen, wenn man als Braut seine Familie verlässt. Eine Eheschließung ist ja auch eine ernstzunehmende Angelegenheit ?. Dem folgte dann ein ausgiebiges Essen für alle Gäste mit überfüllten Tellern, von denen dann die Reste in Tüten und Behältern mit nach Hause genommen wurde. Der Bräutigam jedoch und die männlichen Familienmitglieder mussten das Fest verlassen. Es wurde weiterhin ausgiebig gefeiert. Und schwupp die wupp fand ich mich gemeinsam tanzend mit anderen Frauen aus der Gemeinde auf dem Weg zur Braut wieder. Lauthals wurde der einzigen Muzungufrau durchs Mikrofon applaudiert, die diesen Rhythmus wenigstens einigermaßen mithalten konnte. Für mich glich dies alles schon einer richtigen Hochzeitsfeier. Wie das dann wohl in einem Monat sein wird, wenn sich die Menge der Hochzeitsgäste durch die Männer verdoppelt? In jedem Fall ist eine Hochzeit hier eine kostspielige Angelegenheit und hat sehr viel mit Ansehen und verpflichtenden Traditionen zu tun.