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Von Eierpappen und Strichlisten

Sehen wir eine Eierpappe, denken wir an Eier, einfach an Eier und an Essen, du denkst an Mathematik … So begann eine der Abschiedsreden unserer Lehrer nach meinem knapp 10-wöchigen Einsatz in Sachen Fortbildung Mathematik an der LIFE TRUST SCHOOL WAYA.

Mathematik (hier Multiplikationsaufgaben) in der Umwelt zu entdecken war für alle Lehrer etwas Neues und völlig Überraschendes. Und spontan kamen dann auch Aussagen wie: „Da am gate ist auch Mathematik,“ oder „Die Lüftungsöffnungen stellen eine Mal-Aufgabe dar.“ Schwerpunkt der Fortbildung waren aber auch diesmal die Basics: Zahlen erkennen und zerlegen, schrittweises Addieren und Subtrahieren ohne zu zählen. Zum Darstellen von Zahlen haben wir jetzt rigoros eine Neuerung eingeführt: Die Darstellung von Zahlen mit Strichen mit Hilfe der in Deutschland üblichen Fünferstruktur. Das gibt es in Sambia nirgends, in keinem Schulbuch. Gebündelt wird nur der Zehner. Bis dahin gibt’s gleichmäßige Striche, es muss nachgezählt werden. Die Tatsache, dass die Fünferstruktur durch unsere Hände vorgegeben ist und unser Gehirn in der Lage ist, zweistellige Zahlen „quasi-simultan“ zu erfassen, konnte schließlich alle Lehrer davon überzeugen, dass die „Power of 5“ (Kraft der 5) uns die Arbeit des Zählens abnimmt. Ob sie es auch auf Dauer umsetzen werden?

von Eva Knuth

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Schule des Glücks

Waya School nomba ni insansa skulu. „Die Waya Schule ist nun eine Schule des Glücks“, so sagt man es in der einheimischen Sprache Icibemba. Eine Schule, in der jeden Tag viele Stunden unterrichtet wird, in der die Lehrer ihr Bestes geben, sich um die besonders Bedürftigen zu kümmern, in der die Kinder einzeln gesehen und gefördert werden und in der alle ein reichhaltiges Mittagessen bekommen.

Und das alles ist schon nach 10 Wochen deutlich sichtbar, ganz besonders an den freudigen Gesichtern der Kinder, an vollen Klassen und an ruhigen intensiven Zeiten des Lernens. Später auch in engagierten Sportstunden oder im Kunstunterricht unter den Mangobäumen. Hierfür packen alle mit an. Unsere Volunteers unterstützen das Lesenlernen in Kleingruppen und prägen den Sportunterricht. Schwerpunkt in dieser ersten Zeit aber ist vor allem die Lehrerfortbildung. Jeden Tag stecken wir unsere Köpfe zusammen, um die Unterrichtsmethoden weiterzuentwickeln und sinnvolle Kriterien zu erarbeiten, den Lernfortschritt der Schüler zu begünstigen und zu beurteilen. Eine große Herausforderung für unser sambisches Lehrerteam, die bisher nicht viel mehr als Tafel und Kreide und wiederholende Chorgesänge kannten. Und nun kommen die Muzungus mit ihren verrückten Ideen. Manchmal denke ich, das wird nie was werden, alles muss 10-mal wiederholt werden und auch dann tauchen noch immer einfachste Fragen auf. An anderen Tagen bin ich überrascht wie schnell die Lehrer nur kurz angesprochene Dinge mit viel Eigeninitiative umsetzen. Das ist mein persönlicher Lernprozess zwischen den Kulturen. Wenn ich in den Schulversammlungen in die Augen der Eltern und Guardians schaue, spornt es mich umso mehr an, alles zu geben, dass diese Kinder bessere Zukunftschancen erhalten. Dankbar blicke ich auf diese ersten Wochen zurück. Schon sind wir als kleine Gemeinschaft zusammengewachsen, lachen, singen, beten, feiern und tanzen zusammen. Und ich bin glücklich, arbeitende Lehrer zu sehen, jeden Tag bis 16 Uhr – alle! Und in den Ferien wollen sie gemeinsam die 7.Klässler auf die Abschlussprüfung vorbereiten – alle!

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Living Stone

Eine ganz besondere Zeit, die ich kaum in Worte fassen kann, liegt hinter uns. Vor drei Jahren stand ich mit einer Gruppe von deutschen Rangern an den Victoria Fällen und habe mich gefragt, ob ich eines Tages hier mit sambischen Royal Rangers stehen werde. Das glich mehr einem Traum, zu dieser Zeit gab es keine Royal Rangers in Zambia.

Unglaublich, nun wurde es wahr. Drei Rangersleiter aus Bielefeld sind extra angereist, um mich zu unterstützen. Im letzten Jahr habe ich in unserem Outpost Katondo einen Juniorleiterkurs gestartet. Die Ernennung nun sollte an diesem besonderen Ort stattfinden. Noch nie waren die Jugendlichen auf einem Camp und noch nie waren sie alleine fort, heraus aus Kabwe, 12 Stunden Busfahrt bis ans südliche Ende Zambias. Hierfür brauchte es Genehmigungen von Eltern, Schule und sogar vom Schulamt. So einfach ist das nicht, dass ein Schulgänger hier den Distrikt Kabwe verlässt. All dies wurde durch Spenden möglich. Keine Familie könnte sich ein Busticket nach Livingstone leisten. Im Gegenzug haben sich die Rangers bei Garten- und Feldarbeit in Waya nützlich gemacht. Mein Herz wurde schon bewegt, als alle in ihren besten Kleidern am Treffpunkt bereitstanden und im Bus ununterbrochen die gefühlvollen sambischen Lieder anstimmten. Unser Campgelände am Marambafluss, aus dem nachts die Hippos heraussteigen und bis an die Zelte herangrasen, war auch für die deutschen Rangers ein besonderes Erlebnis. Gemeinsam konnten wir den Sambiern einen typischen Campablauf näherbringen und haben indem eine sehr dichte und tiefe geistliche Zeit erlebt. Neben der Freude über die wunderbare Schöpfung, den Begegnungen mit Löwen und anderen Tieren, sind wir auch als Gruppe tiefer zusammengewachsen, was bis heute nichts an Intensität verloren hat. Alle sind sehr verbindlich in die Mitarbeit eingestiegen und wir planen einen neuen Outpost in Waya zu eröffnen. Das ganz Besondere aber bleibt, dass wir nicht anders können, als immer wieder zu Trommelrhythmen zu tanzen und unseren Gott zu preisen! Living Stone –  Steine, die Leben schaffen!

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Ein Herz für Waya

Ich denke zurück an das Jahr 2010, als ich Waya im Rahmen eines Royal Rangerseinsatzes nur kurz besucht habe. Schon damals ist irgendetwas in mein Herz gefallen, so dass ich spontan zum Ausdruck brachte, dass Waya die Schule wäre, an der ich hier in Kabwe am liebsten unterrichten würde. Dass dies 7 Jahre später Wirklichkeit wird, hätte ich mir nie vorstellen können. Seit Wochen sind wir schon in Lesegruppen und mit Sportangeboten aktiv. Wir hatten Besuch von einem Team, das den Kindern die Gefahren des Kinderhandels nähergebracht hat. Gerade in Afrika passiert es, dass Kinder für wenig Geld weggegeben oder unter falschen Versprechen weggelockt werden. Hierfür sollten die Kinder sensibilisiert werden. Ich habe einen Einschulungstest für die Neuanmelder entwickelt. Es macht Freude, von Anfang an Zeit für jedes einzelne Kind zu haben und genau hinzuschauen.

In all dem sind die Lehrer gerade mein Hauptthema. Es gibt eine Menge Bewerber und wir wollen ein gutes Team zusammenstellen, die nicht nur unterrichten, sondern darüber hinaus auch beweglich sind, sich weiterentwickeln und den Kindern acht Stunden täglich auf verschiedenen Ebenen begegnen wollen. Das sind hohe Ziele. Heute hatten wir so etwas wie ein Einführungsseminar für die Bewerber, die sogleich aktiv werden mussten. Das hatten sie so nicht erwartet. Nach einigen Erklärungen mussten sie direkt eine Unterrichtsstunde vorbereiten und sie in Kurzform vor allen vorstellen. Konzentrierte Aufregung schwebte im Raum und tatsächlich wagte es ein Team bei der Vorstellung sogar, mit allen spontan den Unterricht nach draußen zu verlegen. In meinen Augen – volle Punktzahl! Mein Herz für Waya schlägt höher und ich freue mich auf den Neustart im Januar. Viele Veränderungen stehen an. Ideen und Visionen gibt es genug, jetzt endlich auch die Chance, sie umzusetzen. Falls sich auch euer Herz für Waya entzündet, lasst es mich wissen. Unterstützung können wir auf vielen Ebenen gebrauchen.

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Baustelle Waya

In diesen Tagen ist eine Menge los in Waya. Nachdem nun endlich klar ist, dass wir diese Schule als Privatschule, LIFE TRUST SCHOOL WAYA, eigenverantwortlich weiterführen werden, gibt’s viel zu tun. Das marode Dach des Altbaus wird erneuert. Dank einer großzügigen Spende können wir loslegen. Es wird höchste Zeit, denn die Regenzeit ist schon im vollen Gange.

Nachdem nun die Entscheidungen gefallen sind, geht alles ganz schnell. Viele sind motiviert mit anzupacken. Handwerker stehen parat und freuen sich über die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Man kann nur staunen, jeden Tag sind große Fortschritte zu bewundern. Unter dem neuen Dach wird unsere Nähstube eingerichtet und ein neuer Mitarbeiterraum geschaffen. Und so nebenbei bauen wir den siebten Klassenraum an. Ba Musonda erklärt den Arbeitern kurz die Maße und schon geht’s los. Es sieht eher danach aus, als ob ein Feld angelegt wird, aber so entsteht hier das Fundament. Langsam Schritt für Schritt vorangehen, so dachten wir. Mir kommt es gerade wie ein Schnellzug vor. Auch das ist Zambia!  ?